Eine Sache des Vertrauens

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Eine Sache des Vertrauens

Beitrag  Gast am Mo Sep 05, 2011 8:52 am

Ich weiß, dass ich hier noch eine andere Geschichte habe, die bisher noch nicht vollendet ist, aber hier erst einmal eine, an der ich aktuell schreibe... Wink
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(Anmerkung: Die Geschichte spielt nach der Folge „Alle Wege führen zum Du“, in der Tanja am Ende von Bernd Hofmeister angegriffen wurde.)

Eine Sache des Vertrauens

Mick hatte Tanja doch noch überreden können mit ihm essen zu gehen und er war froh darüber, denn er wollte Tanja nach dem Vorfall in der Villa ungern alleine lassen und sie ein wenig ablenken. Dies gelang ihm aber leider nicht, denn als sie sich in dem kleinen italienischen Restaurant am Baldeneysee gegenüber saßen, sah Mick seiner Therapeutin an, dass sie scheinbar doch sehr mitgenommen war. Noch einige Tage zuvor, als sie den Tod von Silke Hansen festgestellt hatten, hatte Tanja Mick gegenüber angegeben, dass ihr der Tod ihrer Patientin nicht nahe gehen würde und Mick hatte es ihr schon damals nicht abgenommen. So etwas erlebte man selbst als Psychologin nicht jeden Tag. Und auch jetzt merkte er Tanja an, dass sie unter einer Art Schock zu stehen schien, was sicherlich nicht zuletzt daran lag, dass Bernd Neumeister sie beinahe ebenfalls umgebracht hätte.

Tanja stocherte in ihrem Salat herum, von dem sie kaum etwas gegessen hatte.
„Schmeckt es Ihnen nicht?“, fragte Mick.
Tanja sah ihn an. „Was?“, entgegnete sie.
„Haben Sie keinen Hunger?“ Mick war besorgt.
Tanja schüttelte den Kopf. „Irgendwie nicht so wirklich.“
Mick legte seine Hand auf Tanjas. Ihre Blicke trafen sich und Mick sah in Tanjas verzweifelte Augen. „Wollen wir vielleicht noch ein wenig spazieren gehen?“, schlug Mick vor.
Tanja nickt stumm und zwang sich zu einem kleinen Lächeln.

Nachdem Mick bezahlt hatte, gingen die beiden am See entlang. Inzwischen wurde es Abend und dementsprechend setzte langsam die Dunkelheit ein. Beide liefen schweigend nebeneinander her.
Mick nahm seine Zigaretten aus der Jackentasche und wollte sich gerade eine anzünden. „Stört es Sie, wenn ich rauche?“, fragte er.
„Nein, ich hätte auch gerne eine.“, entgegnete sie leise.
Mick nickte, gab ihr eine Zigarette und Feuer, obwohl er es gar nicht gerne sah, wenn Tanja rauchte. Immerhin war es schon schlimm genug, dass er selbst seine Tagesdosis ständig aufbrauchte.
Nach einiger Zeit kamen sie an einer Parkbank an und setzten sich.
„Mick, ich muss mich wirklich bei Ihnen bedanken. Wenn Sie und Andreas heute nicht rechtzeitig gekommen wären, dann...“ Tanja sank ihren Kopf und schluckte. Sie wollte sich gar nicht ausmalen, was passiert wäre und wozu dieser Bernd Neumeister fähig gewesen wäre.
„Tanja, das ist doch selbstverständlich. Wir hatten plötzlich so ein ungutes Gefühl und als dann auch noch Ihr Handy ausgeschaltet war. Ich habe mir wirklich Sorgen gemacht und wir sind sofort losgefahren. Ich...“ Mick stoppte einen Moment und sah Tanja an.

Tanja wich seinem Blick aus, weil sie nicht recht wusste, wie sie reagieren sollte. Ihr war bereits seit längerer Zeit bewusst, dass sie mehr als nur Freundschaft für ihren Kollegen empfand. Doch andererseits verbot sie sich selbst jegliche Gefühle, die in die falsche Richtung gingen, denn immerhin war sie seine Therapeutin und daher musste sie sich selbst davon abhalten sich in ihren Patienten zu verlieben.
Und außerdem wollte sie nach der Sache mit ihrem Ex-Freund, der sie wegen einer Fitnesstrainerin verlassen hatte, erst einmal Single bleiben. Sie würde es nicht ein weiteres Mal verkraften, wenn ihr jemand das Herz brach.
Mick sah Tanja an und wusste, dass sie etwas bedrückte. Nicht nur die Tatsache, dass Bernd Neumeister sie beinahe umgebracht hatte. Da steckte noch mehr dahinter. Er sah es in ihren Augen und fragte sich, ob er sie darauf ansprechen sollte. Doch er entschied sich dagegen, weil er Tanja nun schon einige Zeit kannte und ahnte, dass sie es ihm sowieso nicht erzählen würde.
Es wurde langsam kühler und Tanja hatte keine Jacke bei sich. Mick sah, dass sie etwas zitterte, also zog er seine Jacke aus und legte sie wortlos um sie. Plötzlich bemerkte er , dass Tanja Tränen über die Wangen rollten.
„Mick er hat mich gewürgt und mich durch das Zimmer geschleift. Ich hatte solche Angst keine Luft mehr zu bekommen. Es war alles wieder da. Es war alles so wie damals...“, sagte sie leise und Mick war nicht darauf vorbereitet, dass sie auf einmal doch über das, was sie scheinbar belastete, sprach.
Mick sah sie noch immer an. Wie meinte sie das? Damals? „Wie meinst du das?“, fragte er vorsichtig, doch Tanja wurde bewusst, dass sie gerade einen Schritt zu weit gegangen war. Mick war nicht ihr Therapeut, warum also sollte sie ihn mit ihren Problemen belasten?
Tanja wischte sich verlegen die Tränen aus dem Gesicht. „Ach, ist schon ok. Wollen wir gehen? Es wird langsam kalt.“, sagte sie.
Mick nickte. Er kannte diese Taktik nur allzu gut. Immer wenn er versuchte sich Tanja auf einer privaten Ebene zu nähern, wich sie ihm aus und blockte ihn regelrecht ab.
Sie standen auf und gingen langsam zurück zu Micks Wagen.
„Ich ruf mir dann mal eben ein Taxi.“, sagte Tanja.
„Jetzt rede keinen Blödsinn. Ich fahre dich natürlich nach Hause.“ Mick öffnete die Beifahrertür. Tanja lächelte und stieg schließlich ein.
Mick fuhr los und parkte nach einiger Zeit vor ihrer Wohnung. Sie hatten die ganze Fahrt über kein Wort miteinander gesprochen, aber Mick spürte, dass Tanja ungern alleine wäre. Also wagte er einen letzten Versuch.
„Soll ich noch mit hochkommen?“, fragte er und suchte ihren Blick.
Tanja sah ihn an. „Würdest du das wirklich?“, entgegnete sie und inzwischen war es ihr sogar egal, dass sie ihn ebenfalls duzte. Immerhin waren sie hier in seinem Wagen und nicht in ihrem Büro in einer Therapiesitzung.
Mick nickte. „Auf eine Tennissocke immer.“ Er lächelte und Tanja musste ebenfalls lächeln.

Als sie in Tanjas Wohnung angekommen waren, ging Tanja in die Küche, um Tee zu kochen. Mick schaute sich währenddessen im Wohnzimmer um und sah ein Foto in einem Bilderrahmen, dass Tanja mit einem kleinen Kind zeigte. Vermutlich ihr Neffe. Sie sah glücklich aus. Aber war sie es wirklich? Momentan, so vermutete Mick, war sie scheinbar alles andere als glücklich und er musste unbedingt herausfinden, was mit ihr los war. Was hatte es mit dieser Aussage gerade eben am See auf sich? Und warum vertraute sie sich ihm nicht an? Er musste ihr endlich das Gefühl geben, dass sie für ihn längst mehr war als nur seine Therapeutin. Er fühlte sich zu ihr hingezogen und sie war der einzige Mensch, der sich, abgesehen von Uschi, überhaupt um ihn sorgte.
Mick setzte sich auf das Sofa und nach wenigen Minuten kam Tanja mit zwei Teetassen zu ihm und setzte sich neben ihn. Die beiden schwiegen sich eine Weile an. Mick wollte Tanja keineswegs bedrängen. Er sah sie an.
„Tanja, wie ich auch schon neulich im Büro sagte. Ich bin immer für dich da, wenn dich etwas bedrückt, ok? Nicht als Patient, sondern als Freund.“ Er strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht und Tanja lächelte, während sie zu Boden sah.
„Mick, das mag jetzt vielleicht komisch klingen, aber kann ich dich um etwas bitten?“ Tanja sah ihn zögernd an.
„Ja, sicher.“, entgegnete Mick nickend.
„Könntest du heute nach vielleicht hier schlafen?“ Sie sank erneut ihren Blick, weil sie damit rechnete, dass er nein sagen würde.
Mick nahm ihre Hand. „Natürlich. Natürlich kann ich hier bleiben, wenn du das möchtest.“
„Danke.“, sagte Tanja leise und merkte wie erneut Tränen in ihre Augen traten. Mick rückte näher an sie heran und nahm sie in seine Arme. Tanja weinte und Mick strich ihr liebevoll über den Rücken.
„Wein ruhig.“, flüsterte Mick und Tanja schmiegte sich an ihn. Mick hatte das Gefühl, dass sie endlich realisierte, was passiert war und langsam anfing ihm zu vertrauen.

Tanja hatte sich irgendwann in ihr Schlafzimmer zurückgezogen, da sie müde war und Mick hoffte, dass wenigstens ruhig schlafen konnte. Er hingegen konnte es natürlich nicht. Zu viele Dinge gingen ihm durch den Kopf. Er lag auf Tanjas Sofa und starrte an die Decke.
Plötzlich hörte er einen Schrei aus Tanjas Schlafzimmer und innerhalb weniger Sekunden war Mick auf den Beinen und stand schließlich im Türrahmen, um nach Tanja zu sehen.
Er sah sie, wie sie schwer atmend, kerzengerade und am ganzen Körper zitternd in ihrem Bett saß. Mick ging zum Bett, machte eine Nachttischlampe an und setzte sich neben sie. Langsam zog er Tanja in seine Arme und sie begann zu weinen. „Ssssschhttt...“, sagte er leise. „Du hast nur geträumt.“ Er strich Tanja über den Kopf, doch sie konnte sich kaum beruhigen. Mick hielt sie eine Zeit lang einfach nur fest in seinen Armen.
„Ich hol dir etwas zu trinken.“, sagte er irgendwann und wollte sich von Tanja lösen.
„Nein, nein. Bitte geh nicht weg.“, entgegnete Tanja flehend und klammerte sich an ihm fest.
„Möchtest du mir erzählen, was du geträumt hast?“, fragte Mick und strich Tanja über die Wange.
Sie zögerte einen Moment. „So geht das jetzt schon seit Jahren. Ich wache immer wieder nachts auf, weil ich die Bilder nicht loswerde. Ich bin Psychologin und kann mir selbst nicht helfen damit klarzukommen.“
Mick sah Tanja an und wusste, dass ihn das, was sie ihm gleich erzählen würde, ihn unendlich traurig machen wird. Denn wenn Tanja seit Jahren mit einem Geheimnis lebte, konnte es nichts Gutes sein. Und Mick merkte auch, dass sie zögerte und vermutlich Angst hatte ihm davon zu erzählen. Er sah ihr in die Augen.
„Tanja, was ist passiert?“

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Re: Eine Sache des Vertrauens

Beitrag  mum82 am Mo Sep 05, 2011 9:03 am

Eieieiei! Das ist sehr genial, aber auch sehr spannend - was hat sie bloss?!
Ich freu mich sehr auf mehr...

_________________
Manche Erkenntnise brauchen eben ihre Zeit
Ja, aber nicht alle!!!

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Re: Eine Sache des Vertrauens

Beitrag  lemontea am Mo Sep 05, 2011 9:07 am

Du Psychotante machst mir gerade wieder voll das schlechte Gewissen.
Ich fühl' mich wie Mick. Immer diese umgekehrte Psychologie. Man...

Trotzdem ist das 'ne gute Geschichte, das weißt du. Und du weißt auch, dass ich deine Geschichten mag, auch wenn ich das manchmal nicht so zeige Sad
_______

Tanja tut mir total leid, was sie da durchmachen musste. Aber zumindest hat sie Mick, der sich um sie kümmert. Das war auch in der Serie schon so krass, als der sie auf einmal angegriffen hat. Die Szene hab ich zwar nur halb mitbekommen und mir war klar, dass da nicht viel passieren konnte, aber man hat ihr schon angesehen, dass das wohl doch ziemlich krass war. Klar.
Hm, und das sie den Schein wahrt, ist auch natürlich für Frau Haffner und, dass sie jetzt über ihre Ängste spricht, finde ich gut. Irgendwann muss sie damit ja mal rausrücken. Auch, wenn's Mick ist, dem sie das wohl als letztes erzählt hätte. ^^
Ich mein', die will da die Distanz wahren und bla... Wie man sie halt kennt. Trotzdem könnte ich mir nich vorstellen, mit wem sie sonst reden würde, der ihr wirklich zuhört. ^^

Freue mich auf die Fortsetzung, die ich noch gar nicht kenne! Very Happy

Nervi mit dem schlechten Gewissen Sad


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Re: Eine Sache des Vertrauens

Beitrag  Gast am Mo Sep 05, 2011 9:21 am

Tanja schluckte. „Vor einigen Jahren hatte ich einen Patienten. Das war lange bevor ich im Präsidium angefangen habe.“ Mick nickte und nahm Tanjas eiskalte Hand. „Es war ein schwieriger Patient, den man nie genau einschätzen konnte. Man wusste nie, was er wohl im nächsten Moment tun würde. Er war schwer depressiv, abhängig vom Alkohol und hatte noch etliche andere Probleme.“ Tanja machte eine kurze Pause. „Ich kam eigentlich nicht an ihn heran, Mick. Ich konnte ihm irgendwie nicht helfen. Irgendwann habe ich dann bemerkt, dass er mich verfolgt. Privat. Er lauerte hier vor meiner Wohnung, war plötzlich im gleichen Supermarkt wie ich, er wusste wann ich zur Arbeit ging und wann ich wieder nach Hause kam...“
Mick bekam Gänsehaut. Ein Stalker, der seine Tanja, sein Schäfchen belästigt hatte? Was für ein Schwein... „Und dann? Wie ging es mit der Therapie weiter?“, fragte Mick.
„Gar nicht. Er ist nicht mehr zur Therapie gekommen und ich habe irgendwann auch gar nicht mehr daran gedacht. Bis ich eines Tages nach Feierabend zu meinem Auto in der Tiefgarage wollte.“
Mick wurde panisch. „Oh Gott, Tanja... Hat er?“ Er sah sie besorgt und ernst zugleich an.
„Er hat mich gepackt, mich an mein Auto gedrückt und mir gedroht, dass er mich fertig machen würde, wenn ich ihm nicht helfe seine Therapie zu beenden. Er hat mich am Hals gepackt und ich hatte genauso wie heute das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen. Ich konnte mich nicht wehren. Ich wäre ihm völlig ausgeliefert gewesen. Da war nur noch Hass in seinen Augen.“ Tanja zitterte noch immer, während sie Mick davon erzählte.
„War da denn niemand, der dir helfen konnte?“, fragte Mick und wünschte sich sogleich er selbst hätte Tanja damals schon gekannt.
„Ich habe natürlich um Hilfe geschrien und irgendwann kam dann zum Glück ein Wachdienst und hat die Polizei gerufen.“
„Und die Sache mit dem Neumeister heute hat dich natürlich wieder an all das erinnert...“, sagte Mick.
Tanja nickte nur. Mick zog sie in seine Arme und küsste schließlich ihre Stirn.
„Es ist vorbei. Du bist eine starke Frau, Tanja und ich weiß, dass so etwas nie wieder passieren wird. Das verspreche ich dir.“, sagte Mick leise.
„Mick, das kann jederzeit wieder passieren. Das kannst du mir gar nicht versprechen.“, entgegnete Tanja traurig.
Mick strich ihr über die Wange und dann trafen sich ihre Blicke. Sowohl Tanja als auch Mick wussten in diesem Augenblick, dass sie aufhören mussten, sich gegen ihre Gefühle zu wehren. Mick beugte sich langsam hinüber zu Tanja und legte schließlich seine Lippen auf ihren Mund. Tanja schloss ihre Augen und erwiderte den Kuss. Beide genossen diesen Moment und als sich ihre Lippen voneinander trennten sahen sie sich lächelnd an.
Mick legte sich hin und zog Tanja mit sich. „Du solltest versuchen wieder zu schlafen. Ich bleibe hier.“
Tanja nickte und legte sich ebenfalls hin. Sie kuschelte sich an Mick. Er machte das Licht aus und strich Tanja über den Rücken.
„Ich kann dir aber versprechen, immer auf dich aufzupassen, wenn du mich lässt.“, flüsterte Mick schließlich.

Tanja lächelte. „Ich kann bestimmt nicht wieder einschlafen.“
„Hey, ich bin hier der Einzige, der nächtelang wach liegen darf. Ich habe 20 Jahre geschlafen. Aber du, du brauchst Ruhe.“
„Erzählst du mir etwas?“, fragte Tanja.
„Hmm, eine Gute-Nacht-Geschichte?“
„Jaaa...“
„OK. Also, es war einmal ein Tiger...“, begann Mick. „...und der Tiger, der hatte in seinem Leben ganz viele kleine Schäfchen, auf die er aufpassen musste. Aber eines dieser Schäfchen lag dem Tiger ganz besonders am Herzen und der Tiger versuchte immer dem Schäfchen klarzumachen, wie viel es ihm bedeutete. Aber das Schäfchen läuft immer vor dem Tiger weg und der Tiger weiß nicht, ob es vielleicht Angst vor ihm hat. Aber wenn das Schäfchen Angst hätte, so würde der Tiger dem Schäfchen gerne klarmachen, dass es keine Angst zu haben braucht, weil der Tiger dem Schäfchen niemals weh tun würde. Im Gegenteil, der Tiger würde das Schäfchen immer beschützen, weil er dieses Schäfchen so unheimlich liebte.“ Mick machte eine kleine Pause und bemerkte, dass Tanja in seinen Armen eingeschlafen war. Vorsichtig küsste er ihre Stirn und schloss dann ebenfalls die Augen.

Als Tanja am nächsten Morgen aufwachte, stellte sie fest, dass Mick nicht mehr neben ihr lag und war darüber ein wenig enttäuscht. Sie hatte sich in seinen Armen wohl gefühlt und war darüber zunächst verwundert, hatte sie sich doch eigentlich verboten ihre Gefühle für Mick zu vertiefen. Aber sie konnte sich auch nicht länger dagegen wehren und wenn sie ehrlich zu sich selbst war, wollte sie es auch längst nicht mehr. Für einen kurzen Moment schloss sie noch einmal ihre Augen und dachte an ihren Kuss.
Plötzlich hörte sie, dass jemand in der Küche war und lächelte. Sie stand auf und ging in die Küche, wo Mick mit der Kaffeemaschine kämpfte.
„Der Knopf zum Anschalten ist rechts.“, sagte Tanja grinsend.
Mick sah sie an. „Guten Morgen.“, entgegnete er.
„Morgen.“, murmelte Tanja und setzte sich an den kleinen Küchentisch.
Mick setzte sich zu ihr. „Konntest du noch gut schlafen?“, fragte er und sah Tanja an.
„Ja, danke. Ich habe ganz gut geschlafen.“, antwortete Tanja und wich seinem Blick aus. „Danke, dass du hier geblieben bist.“, fügte sie hinzu.
Mick legte seine Hand auf Tanjas und sah sie an. „Das habe ich gerne gemacht. Ich hätte dich nicht alleine gelassen.“
Tanja lächelte.
„Ich werde gleich zum Präsidium fahren und mir Neumeister nochmal vorknöpfen. Und dann können wir ihn hoffentlich endlich einbuchten.“, sagte Mick.
Tanja nickte. „Ich komme mit. Ich habe auch noch Einiges zu tun.“, sagte sie.
„Tanja, ich denke es ist besser, wenn du heute zuhause bleibst. Es ist keine so gute Idee, wenn du Neumeister über den Weg läufst, oder?“, stellte Mick besorgt fest.
„Mick, es ist ok. Ich werde ihm ja nicht zwangsläufig über den Weg laufen.“, entgegnete Tanja.
„Bist du sicher? Ich meine jeder, wirklich jeder hätte dafür Verständnis, wenn du nach der Sache gestern erst einmal einen Tag Ruhe brauchst.“
Tanja lächelte. Die beiden frühstückten und saßen eine Stunde später ins Micks Wagen.
Sie hatten noch darüber diskutiert, ob Mick Tanja vielleicht ein paar Straßen vorm Präsidium raus lassen sollte, damit sie den Rest zu Fuß gehen konnte und die Kollegen nicht spekulieren konnten. Doch die Diskussion hatte sich erübrigt, als es begann zu regnen und Mick sich weigerte Tanja durch den Regen zu schicken. Und im Prinzip war es beiden egal, was die anderen dachten. Sie stiegen also aus und kamen zusammen am Präsidium an. Andreas hatte seinen Kollegen bereits erwartet und staunte nicht schlecht als Mick und Tanja gemeinsam das Büro betraten. Tanja lächelte. „Morgen Andreas.“ Anschließend ging sie in ihr Büro und Mick nahm sich einen Kaffee.
„Mick. Hab ich da etwas nicht mitgekriegt?“, fragte Andreas.
„Nö, alles wie immer.“, flötete Mick und ging in sein Büro, wo er sich auf den Stuhl fallen lies.
Andreas folgte ihm und gab es erst einmal auf, seinen Kollegen weiter auszuquetschen.
„Also, hat Neumeister den Mord an Silke Hansen gestanden?“, fragte Mick.
Andreas nickte. „Ja, hat er. Er ist auch bereits in U-Haft.“
„Sehr gut.“
„Sag mal, wusstest du, dass Tanja und Neumeister mal ein Paar waren? Angeblich...“
Mick sah Andreas ungläubig an. „Was? Tanja und dieser Guru? Glaub ich nicht.“
„Doch, Neumeister meinte, er habe sich damals ihretwegen von seiner Frau getrennt und als Tanja ihm während dieses Seminars deutlich gemacht habe, dass sie sich von ihm trennen werde, sei er durchgedreht und habe Silke Hansen getötet. Er hat sogar noch gestanden, dass er eigentlich Tanja den Mord anhängen wollte, weil sie ja immerhin die Therapeutin von Silke Hansen war, aber als er erkannt hat, dass Tanja und wir uns bereits kannten, konnte er ihr den Mord nicht mehr anhängen. Also habe er den richtigen Moment abwarten wollen, um Tanja ebenfalls umzubringen.“
Mick schluckte. Was für eine gruselige Geschichte. Aber er war sich sicher, dass Tanja nichts mit Neumeister hatte. Die passten doch gar nicht zusammen und irgendwas war doch an dieser Geschichte mehr als faul. Er musste mit Tanja sprechen, doch weder Andreas noch Mick ahnten, dass Tanja dieses Gespräch mitgehört hatte als sie hinter einer Tür stand.
Mick stand auf und ging zu Tanjas Büro.

Tanja rannte. Das konnte doch alles nicht war sein. Wieso erzählte Bernd so etwas? Jedes einzelne Wort war gelogen. Sie ist natürlich nicht mit ihm zusammen gewesen. In ihrem Kopf drehte sich alles. Sie war schockiert darüber zu hören, das Neumeister ihr den Mord an Silke Hansen anhängen wollte. Doch viel schlimmer war es nun, was Mick über sie denken musste...

Mick stand vor Tanjas Büro und klopfte. Als er keine Antwort erhielt, öffnete er die Tür und stellte fest, dass Tanja nicht in ihrem Büro war. Wo war sie? Mick hatte ein ungutes Gefühl und begann sich Sorgen zu machen.

Tanja sank weinend in einer Kabine der Damentoilette zusammen. Das alles war zu viel für sie...

Mick eilte zurück zu Andreas. „Tanja ist weg.“, sagte er.
„Wie weg?“, fragte Andreas.
„Ja, in ihrem Büro ist sie nicht und ich habe kein gutes Gefühl. Wir müssen sie suchen.“
„Mick, jetzt übertreibe mal nicht. Wo soll sie denn sein? Vielleicht ist sie kurz an die frische Luft oder etwas essen?“ Andreas schüttelte den Kopf.
Doch Mick wollte sie suchen und er musste sie finden...

Mick ging in die Kantine, doch dort fand er Tanja nicht. Dann ging er nach draußen und dachte, sie würde vielleicht auf einer Bank sitzen. Aber auch hier Fehlanzeige. Als er gerade wieder hoch in sein Büro wollte, kam er an den Toiletten vorbei und hörte ein Schluchzen aus der Damentoilette. Er schaute sich kurz um, ob er eventuell von einem Kollegen beobachtet wurde und betrat dann die Damentoilette.
„Tanja?“, fragte er. Doch er erhielt keine Antwort. Sie waren alleine im Raum und es versetzte Mick einen Stich ins Herz sie weinen zu hören. Er wusste in welcher Kabine sie war. „Tanja. Alles ok?“, fragte er und bekam erneut keine Antwort. Da Tanja nicht abgeschlossen hatte, öffnete er die Tür und sah Tanja mit herangezogenen Knien am Boden sitzen und weinen. Sie schien gar nicht auf Mick zu reagieren. Er kniete sich neben sie. Tanja starrte weinend vor sich hin. Mick legte seinen Arm um sie und zog sie an sich. „Sssscht. Hey...“, sagte er leise und merkte, dass Tanja am ganzen Körper zitterte.
Tanja sah Mick an. „Mick, du musst mir glauben. Ich war nie mit Bernd zusammen. Er hat sich das alles nur ausgedacht um mich fertig zu machen.“
Mick nickte erleichtert.
„Er hat mich erpresst...“, schluchzte Tanja und sah zu Boden.
Mick nahm ihre Hand. „Was? Womit?“
„Er hat mir gedroht, dass er mich fertig macht und mir den Mord an Silke Hansen anhängt, wenn....“
Mick sah Tanja an. „Wenn was...?“, fragte er und hatte sogleich auch Angst vor der Antwort.
„Wenn ich nicht mit ihm schlafe.“, brach es aus Tanja heraus und sie schluchzte erneut. Mick zog sie in seine Arme. In ihm wuchs die Wut auf Bernd Neumeister, der seine Tanja auf eine so widerliche Art und Weise erpresst hatte. Tanja sah Mick an. „Mick, ich konnte es nicht. Ich konnte es einfach nicht und da ist er völlig ausgerastet.“ Mick nickte und küsste liebevoll Tanjas Stirn. „Wenn ihr nicht gekommen wärt, dann...“
„Denk nicht daran. Es ist vorbei. Er sitzt hinter Gittern und da wird er auch bleiben. Dafür sorgen wir schon. Du brauchst keine Angst haben.“ Tanja beruhigte sich langsam. Mick stand auf und half Tanja hoch. „Komm, ich bringe dich nach Hause.“
Tanja nickte dankbar und beide verließen die Damentoilette. Die Blicke ihrer Kollegen registrierten beide nicht einmal.

Nachdem Mick seinen Kollegen Andreas darüber informiert hatte, dass Tanja wieder aufgetaucht war und Bernd Neumeister nun auch noch wegen sexueller Nötigung und Erpressung angeklagt werden würde, verließ er mit Tanja das Präsidium und fuhr sie nach Hause.

Natürlich begleitete Mick Tanja nach oben. Er konnte und er wollte sie nach diesem Zusammenbruch unmöglich alleine lassen. Tanja setzte sich aufs Sofa im Wohnzimmer. Mick setzte sich neben sie. „Du solltest dich ein wenig ausruhen.“, sagte er und sah, dass Tanja völlig fertig war. Sie nickte und legte sich hin. Mick nahm eine Decke und legte sie über Tanja. Dann stand er wieder auf.
„Bleibst du hier?“, fragte Tanja ängstlich.
Mick nickte. „Ja, ich bleibe hier und versuche zu kochen während du ein wenig schlafen solltest.“
Tanja musste bei dem Gedanken Mick in der Küche zu sehen lachen. Sie nickte und schloss dann ihre Augen.

Mick stand in Tanjas Küche und hing seinen Gedanken nach. Er fragte sich, warum sie ihm nicht schon viel früher erzählt hatte, dass Neumeister sie erpresst hatte. Vielleicht musste er ihr einfach deutlich machen, dass sie ihm vertrauen konnte, denn scheinbar vertraute sie ihm noch nicht genug. Er begann zu kochen. Nudeln mit Tomatensauce. Das hatte er eine Ewigkeit schon nicht mehr gekocht. Zwischen diesem und dem letzten Mal lagen knapp 21 Jahre, aber so schwer konnte das ja nun auch nicht sein.
Es verging einige Zeit und als Mick fertig war, ging er rüber ins Wohnzimmer, um nach Tanja zu schauen. Sie lag noch immer auf dem Sofa, aber sie schlief nicht. Sie starrte an die Decke.
Mick setzte sich einen Moment zu ihr. „Du solltest doch ein wenig schlafen.“, sagte er und sah sie besorgt an.
Tanja nickte. „Ich weiß. Aber es ging irgendwie nicht.“ Mick nahm ihre Hand und Tanja sah ihn an.
„Mick, glaubst du ich muss eine Aussage machen?“, fragte sie ihn.
Mick nickte. „Ich denke schon. Wir müssen deine Aussage noch offiziell aufnehmen und dann wirst du sicherlich auch später als Zeugin vor Gericht aussagen müssen.“
Tanja sah Mick ängstlich an. Sie richtete sich auf. „Das kann ich nicht.“, sagte sie leise. Mick wollte sie in seine Arme nehmen, doch Tanja stand auf und ging zum Fenster.
Mick folgte ihr. „Doch natürlich kannst du.“, entgegnete Mick.
„Nein, Mick. Das stehe ich nicht durch.“ Sie drehte sich zu ihm um und sah ihn mit Tränen in den Augen an. „Ich habe Angst.“
Mick ging näher an sie heran und zog sie jetzt endlich in seine Arme.
„Das brauchst du nicht. Ich werde bei dir sein und dich unterstützen. Und ich weiß, dass du stark bist. Stark genug, damit dieser Dreckskerl damit nicht durchkommt, ja? Du musst immer daran denken, dass er dann ins Gefängnis wandert und dich in Ruhe lassen wird.“ Tanja nickte.
„Alles wird gut.“, flüsterte Mick und Tanja nickte erneut.
„So, und jetzt wird gegessen. Onkel Mick hat sich an Spaghetti mit Tomatensauce versucht und zumindest ist das Chaos in deiner Küche überschaubar.“
Tanja musste lachen. „OK, dann schau ich mal ob ich noch eine Flasche Rotwein für uns finde.“ Die beiden gingen in die Küche.
Einige Zeit später saßen sie am Esstisch.
„Es schmeckt wirklich gut, Mick.“, sagte Tanja.
„Das freut mich, aber du hast ja nicht wirklich viel gegessen.“, bemerkte Mick.
„Nein, aber das liegt nicht daran, dass es mir nicht schmeckt. Ich habe einfach nicht so großen Hunger. Sei mir nicht böse.“
„Ich könnte dir doch gar nicht böse sein.“, antwortete Mick lächelnd, aber dennoch entging ihm nicht, dass Tanja noch immer sehr mitgenommen von alledem war. Er musste etwas finden, womit er Tanja aufheitern konnte. „Wollen wir vielleicht gleich einfach eine DVD schauen, um uns ein bisschen abzulenken?“, fragte Mick.
Tanja wusste nicht sofort ob sie dem zustimmen sollte. Immerhin hatte Mick sich jetzt schon die ganze Zeit um sie gekümmert. Andererseits fühlte sie sich besser, viel besser, wenn er bei ihr war. Also nickte sie zustimmend.
Nachdem Mick das Geschirr in die Küche gebracht und Tanja einen Film ausgesucht hatte, machten die beiden es sich auf dem Sofa bequem. Normalerweise wäre Mick natürlich nie auf die Idee gekommen, sich „Schlaflos in Seattle“ anzusehen. Aber er würde es Tanja zuliebe einfach mal tun und der Titel passte schließlich auch zu ihm. Nur dass er meistens „Schlaflos in Essen“ war. Während des Films rückte Tanja immer ein Stück näher an Mick heran, bis Mick schließlich seinen Arm um sie legte und Tanja ihre Kopf an seine Schulter legte.
Der Film ließ beide müde werden und als er schließlich vorbei war, schaltete Tanja den Fernseher aus. Einen Moment lang herrschte Stille.
Tanja sah Mick an. „Mick, ich....“ In ihren Augen glitzerten kleine Tränen.
„Hey, was ist denn?“, fragte Mick besorgt und sah sie an.
„Es ist etwas passiert zwischen uns. Ich habe lange gebraucht, um zu begreifen, dass ich dich nicht mehr nur als meinen Patienten sehe. Ich habe mir viel zu lange meine Gefühle für dich verboten und vielleicht ist es auch einfach falsch, wenn wir...“ Doch Tanja kam nicht mehr dazu weiter zu reden, denn Mick legte ihr seinen Finger auf den Mund.
„Du denkst einfach zu viel.“, flüsterte er und zog sie an sich. Er begann vorsichtig sie zu küssen und wartete ihre Reaktion ab. Als Tanja den Kuss erwiderte wurden beide stürmischer und Mick stand schließlich auf, nahm Tanja auf seine Arme und trug sie ins Schlafzimmer...

Einige Zeit und viel Leidenschaft später, lagen beide gemeinsam im Bett. Mick hatte seinen Arm um Tanja gelegt. Keiner der beiden wagte es etwas zu sagen und diesen Moment zu zerstören. Tanja legte ihren Kopf an Micks Brust und schloss ihre Augen. Mick strich ihr noch eine Zeit lang liebevoll durchs Haar, bevor er das Licht ausmachte und ebenfalls einschlief.

Am nächsten Morgen, war Mick bereits früh auf den Beinen. Inzwischen wusste er, wie er die Kaffeemaschine in Tanjas Küche zu bedienen hatte. Da er wusste, dass sie lieber Tee zum Frühstück trank, kochte er ihr einen Früchtetee. Als sowohl Kaffee als auch Tee fertig waren, ging er mit zwei Tassen ins Schlafzimmer und setzte sich zu Tanja ans Bett.
Micks bloße Anwesenheit lies Tanja langsam erwachen. Sie lächelte als sie Mick neben sich sitzen sah. „Morgen.“, murmelte sie und richtete sich auf.
„Guten Morgen.“, entgegnete Mick und hielt ihr eine Tasse hin. „Vorsicht. Ist noch heiß.“
Tanja nickte. „Danke.“ Sie stellte die Tasse zunächst auf ihrem Nachttisch ab. „Musst du schon los?“, fragte sie dann.
Mick nickte. „Ja, es sieht so aus als hätten wir einen neuen Fall.“
„OK, ich denke, ich werde heute zuhause bleiben. Das alles ist doch ein bisschen viel für mich und vielleicht hattest du recht, dass ich mir einfach mal einen Tag Pause gönnen sollte.“ Tanja nahm einen Schluck Tee.
„Das klingt gut. Und wenn du magst dann komme ich später vorbei und bringe uns etwas zu essen mit.“ Mick lächelte. Tanja erwiderte sein Lächeln und nickte.
Kurze Zeit später stand Mick auf, beugte sich hinunter zu Tanja, um sie zu küssen. „Bis später und falls etwas ist, ruf mich an.“
„Mache ich. Bis später.“
Mick verschwand und machte sich auf den Weg zur Arbeit, während Tanja noch einmal die Augen schloss.

Im Büro angekommen, wurde Mick direkt von Andreas mit den Worten „Na, du siehst aber heute morgen frisch aus.“ begrüßt.
„Ja, Andi, dir auch einen guten Morgen.“
„Also, entweder hattest du letzte Nacht Sex oder Rot-Weiß-Essen ist endlich aufgestiegen.“, sagte Andreas und musterte Mick. Mick sah seinen Kollegen entgeistert an. „Und da Letzteres wohl eher nicht der Fall ist, kommt automatisch Punkt 1 in Frage. Wer ist denn die Glückliche?“
Wie gut, dass Andreas überhaupt nicht neugierig war. Mick kannte Andreas aber gut und wusste, wie er ihn geschickt ablenken konnte.
„Ach Andreas. Weißt du was? Wenn es etwas Neues in meinem Liebesleben gibt, dann ist das so sensationell, dass ich es zuallererst der Bild-Zeitung, dann Uschi und dann dir erzählen würde.“
Andreas sah Mick an. „Ach, du hast also mehr Vertrauen in die Bild-Zeitung als zu Uschi oder mir?“
„Nein, Andi. Aber die Bild-Zeitung gibt sich mit einer Schlagzeile zufrieden, während Uschi und du noch Kommentare abgeben müsst oder aber gleich noch Nachfragen stellt.“ Andreas war entsetzt. „So, und nun erzähl mir von unserem neuen Fall.“ Mick grinste und zündete sich eine Zigarette an.

Am frühen Abend machte Mick sich wieder auf den Weg zu Tanja. Er hatte ihr versprochen chinesisches Essen mitzubringen und er tat es, auch wenn er selbst kein großer Fan davon war.
Tanja öffnete ihm die Tür und lächelte als sie ihn sah. „Ich hab dich vermisst.“, sagte sie und lächelte noch immer.
„Du sollst mich nicht anlügen.“, entgegnete Mick und betrat die Wohnung. Tanja schloss die Tür. Mick stellte das Essen auf dem Esstisch ab und zog seine Jacke aus.
Tanja ging zu ihm und legte ihre Arme um ihn. „Nein, wirklich. Ich habe die ganze Zeit an dich gedacht.“
Mick beugte sich zu ihr hinunter und küsste sie. „Hhm, ich habe dich auch vermisst.“ Die beiden setzten sich an den Esstisch und aßen. Nachdem sie fertig waren, wusste Mick, dass nun vermutlich der richtige Zeitpunkt war, um Tanja auf das anzusprechen, was ihm schon lange durch den Kopf ging und den ganzen Tag beschäftigt hatte.
„Warum hast du mir nicht schon vorgestern erzählt, dass Neumeister dich erpresst hat?“, fragte Mick und sah Tanja fragend an.
Tanja schluckte, denn sie hatte nicht mit dieser Frage gerechnet. Sie sah Mick an. „Vertraust du mir etwa nicht?“, fragte Mick.
Tanja wusste nicht, was sie darauf antworten sollte. Vertraute sie ihm? Natürlich tat sie es, aber sie hatte einfach Bedenken, ob er ihr glauben würde. „Mick, ich hatte Angst, dass du mir nicht glauben würdest.“
Mick blickte enttäuscht zu Boden. Er wollte den gemeinsamen Abend nicht ruinieren, aber dieser Gedanke daran, dass Tanja ihm scheinbar nicht genug vertraute, nagte schon die ganze Zeit über an ihm. Er stand auf.
„Scheinbar vertraust du mir nicht. Denkst du wirklich, dass ich diesem Typen eher glaube als dir?“
Tanja wusste nicht, was sie antworten sollte. Sie fühlte sich ziemlich überrascht von Micks Reaktion, vor allem weil sie so etwas nicht erwartet hatte.
„Mick, ich...Es war einfach alles ein bisschen viel für mich. Ich...“
Doch Mick ließ sie gar nicht weiter reden. Er schnappte sich seine Jacke. Tanja stand ebenfalls auf.
„Mick, jetzt lauf doch nicht weg. Ich habe dir nichts erzählt, weil du vermutlich sofort ausgerastet wärst.“
Mick sah sie an. „Ja, das wäre ich vielleicht. Vielleicht wäre ich aber auch einfach nur für dich da gewesen und wir hätten gemeinsam versucht damit umzugehen.“
Er öffnete die Wohnungstür und Tanja liefen Tränen über die Wangen.
„Bitte, geh nicht.“, sagte sie und sah Mick an.
Ihm brach es das Herz sie jetzt alleine zu lassen, aber er war in diesem Moment einfach nur enttäuscht.
„Nee Tanja. So einfach ist das nicht. Das ist ein Vertrauensding und scheinbar hast du große Probleme damit mir zu vertrauen.“
Mit diesen Worten verließ Mick die Wohnung und schloss die Tür hinter sich.
Tanja sank mit dem Rücken an der Tür weinend in die Knie. Sie verstand nicht warum er sie ausgerechnet jetzt alleine lies. Jetzt, wo sie ihn am meisten brauchte.
„Aber ich liebe dich doch...“, flüsterte sie voller Verzweiflung.

Mick Brisgau hatte es mal wieder geschafft sich wie der letzte Elefant im Porzellanladen zu verhalten und um das zu erkennen musste er nicht einmal seine Lieblingswirtin Uschi aufsuchen. Der Gedanke daran, dass Tanja jetzt alleine in ihrer Wohnung war, schmerzte ihn, aber irgendwie viel es ihm schwer damit umzugehen, dass sie scheinbar ein Vertrauensproblem hatte. Oder bildete Mick sich all das nur ein? War er vielleicht doch zu hart zu Tanja? Aber andererseits war sie es, die immer von „professioneller Distanz“ sprach und nie auch nur ein privates Wort zu viel mit ihm gewechselt hatte. Warum erwartete er jetzt plötzlich bedingungsloses Vertrauen von ihr? 'Vertrauen muss man sich verdienen...' klangen Uschis Worte in Micks Kopf und er wusste, dass Uschi, wie so oft Recht hatte. Natürlich kommt Vertrauen nicht von alleine. Vielleicht hatte er Tanja einfach noch nicht richtig gezeigt, dass sie ihm vertrauen konnte...

Tanja wusste nicht mehr, wie lange sie so da gesessen hatte, nachdem Mick gegangen war. Irgendwann stand sie auf und legte sich in ihr Bett, obwohl sie wusste, dass sie in dieser Nacht sicherlich keinen Schlaf finden würde. Zu viele Dinge gingen ihr durch den Kopf. Mick ging ihr durch den Kopf. Seine Worte und überhaupt der ganze Abend. Sie war so froh, dass er bei ihr war und versucht hatte sie aufzubauen. Und dann unterstellte er ihr einfach sie würde ihm nicht vertrauen. Dabei hatte sie wirklich Angst davor gehabt, dass er ihr die Geschichte mit Neumeister nicht glauben würde. Daher konnte sie Mick irgendwie auch verstehen. Was musste er nun denken? Das brauchte sie sich eigentlich nicht mehr zu fragen, denn Mick hatte ja bereits ausgesprochen, was er dachte und das tat Tanja schon wieder Leid. Am liebsten würde sie ihn anrufen und sich mit ihm aussprechen, aber vermutlich war das wirklich nicht so einfach mit dem Vertrauen...

Am nächsten Tag saß Mick in seinem Büro und grübelte noch immer vor sich hin. Andreas war die Stimmung seines Kollegen natürlich nicht entgangen. Da Andreas aber bereits wusste, dass Tanja sich auf unbestimmte Zeit krank gemeldet hatte, grübelte Andreas wiederum darüber, wie er Mick das nur beibringen sollte. Doch das brauchte er gar nicht, denn sein Problem würde sich in wenigen Minuten von selbst erledigen. Martin Ferchert betrat das Büro der beiden Männer.
„Morgen, Jungs. Was gibt es Neues im Fall Neumeister?“, fragte er.
„Nix. Nur, dass der Typ Tanja erpresst hat und wir ihn jetzt auch noch wegen sexueller Nötigung dran kriegen können, wenn Madame denn dann ihre Aussage macht.“, gab Mick angesäuert wieder.
„Apropos Madame. Tanja hat sich krank gemeldet und wird vorerst nicht hier auftauchen. Ich weiß nicht, was da vorgefallen ist, aber irgendwie rieche ich es in der Luft, dass Mick etwas mit dem Ganzen zu tun hat, stimmt's oder hab ich Recht?“ Ferchert sah Mick herausfordernd an.
„Und wenn schon Martin. Dann ist das eine Sache zwischen Tanja und mir. Die gehört nicht hierher.“
„Ach, nicht hierher? Du, wenn da was läuft zwischen euch beiden, dann gehört das sehr wohl hierher. Nämlich auf meinen Schreibtisch.“
„Weißt du was Martin. Mir egal. Denk was du willst. Andreas denkt, was er will. Das halbe Präsidium wahrscheinlich auch und alle anderen sowieso. Mir reicht es. Ich feiere für heute meine Überstunden ab. Schönen Tag noch!“ Mit diesen Worten schnappte Mick sich seine Jacke und verließ das Präsidium.

Doch ein Gedanke ließ Mick dennoch nicht los. Warum um alles in der Welt hatte Tanja sich auf unbestimmte Zeit krank gemeldet? Was sollte das? Das war nicht ihre Art ihm so aus dem Weg zu gehen. Da musste doch mehr dahinter stecken und Mick wollte unbedingt herausfinden was.
Allerdings führte ihn sein Weg zunächst doch in seine Lieblingskneipe. Uschi rollte bereits mit den Augen als sie Mick sah. Es war zwar gerade erst Mittag, aber dennoch wusste sie, dass Mick wenn es um sein geliebtes Pils ginge, keine Tageszeiten kannte. Mick setzte sich und ließ wie immer, wenn er schlecht drauf war, den Kopf hängen.
Uschi stellte ihm sein Glas hin und legte ihm dann einen Briefumschlag auf den Tresen.
„Was ist das?“, fragte Mick.
„Ein Brief.“, entgegnete Uschi.
„Ja, das sehe ich auch. Aber von wem?“
„Von Tanja. Sie hat ihn heute morgen hier vorbeigebracht und Mick, ich möchte gar nicht wissen, was zwischen euch beiden schon wieder vorgefallen ist. Jedenfalls schien es ihr nicht gerade gut zu gehen.“
Mick nickte nachdenklich und war nicht in der Lage dem etwas entgegen zu setzen. Er stand auf, ohne sein Bierglas auch nur anzurühren. „Danke.“, murmelte er und verließ das Lokal. Uschi sah ihm kopfschüttelnd hinterher.

Mick saß in seinem Wagen als er Tanjas Brief las.

Lieber Mick,
ich habe lange gebraucht, um dir das hier zu schreiben. Das ,was gestern Abend vorgefallen ist tut mir sehr Leid. Wenn du den Eindruck hattest, dass ich dir nicht vertrauen würde, dann liegst du damit wahrscheinlich sogar richtig, denn sonst würde ich dir das hier vielleicht sogar persönlich sagen.
Ich hatte Angst, dir von der Erpressung zu erzählen. Nicht weil ich dir nicht vertraue, sondern weil ich die Dinge lieber erst einmal mit mir selbst ausmache. In diesem Fall hätte mich das fast mein Leben gekostet, das weiß ich. Natürlich weiß ich, dass es mehr als falsch war und ich bereue das sehr. Aber ich weiß auch, dass es so nicht weitergehen kann. Ich war deine Therapeutin und du mein Patient. Und wir beide haben uns ständig gegenseitig weh getan, nur um nicht zuzugeben, was wir längst füreinander empfinden. Ich kann so nicht weiterleben und deshalb habe ich mich entschlossen zu gehen.
Bitte lass' mich einfach los.

Tanja


Mick starrte einige Zeit fassungslos vor sich hin. Was sollte das heißen? Was hatte Tanja vor und vor allem wo wollte sie hin? Er wusste es nicht, aber wenn jemand etwas wusste, dann war es Uschi. Also betrat Mick erneut die Kneipe, ging hinter den Tresen und sah Uschi an.
„Uschi, wenn du irgendetwas weißt, dann musst du es mir unbedingt sagen.“
Uschi zögerte. „Unter einer Bedingung...“
Mick sah sie fragend an.
„Du musst endlich dafür sorgen, dass es ein Happy End gibt mit euch beiden.“ Mick nickte.
„Also gut. Sie sprach von Hamburg. Zug um 14:00 Uhr ab Essen Hbf.“
„Danke.“, sagte er und küsste Uschi auf die Stirn, bevor er beinahe fluchtartig die Kneipe verließ.
Es war 13:30 Uhr und somit hatte Mick exakt eine halbe Stunde, um sich selbst vor dem größten Fehler seines Lebens zu bewahren. Er konnte Tanja nicht gehen lassen. Er liebte sie und das wurde ihm erst viel zu spät wirklich bewusst.

Tanja saß mit ihrem Koffer am Gleis und wartete auf ihren ICE, der sie nach Hamburg bringen würde. Doch dort wartete eine ungewisse Zukunft auf sie. Sie hatte ihren Job noch nicht gekündigt, sondern wollte einfach erst einmal weg aus Essen, um sich über einige Dinge klarzuwerden. Auch wenn ihr Kopf meinte das Richtige zu tun, so sagte ihr Herz doch, dass sie bleiben sollte. Denn immerhin war in Essen der Mann, den sie liebte und vielleicht müsste sie einfach endlich den Mut aufbringen ihm das auch zu sagen.

Von Uschis Kneipe bis zum Essener Hbf waren es gute fünfzehn Minuten und so drängte sich Mick ungeduldig und ohne Rücksicht auf eventuelle Geschwindigkeitsbeschränkungen durch den Straßenverkehr. Die Huperei seiner Mitfahrer ignorierte er, denn immerhin hatte er inzwischen andere Sorgen. Er musste Tanja einfach aufhalten und wenn es nötig war den Zug einfach selbst anhalten. Hamburg...Sie konnte doch nicht so einfach abhauen.
Mick hielt auf den Taxi Parkstreifen, was natürlich verboten war und ihm einige böse Blicke der Taxifahrer entgegenbrachte. Doch Mick ignorierte dies und eilte in den Bahnhof. Auf der Anzeigetafel fand er sich nicht zurecht. Zu viele Nummern und Züge. Wer sollte da schon durchblicken. Eine Durchsage hingegen half ihm weiter. „ICE 237 nach Hamburg-Altona hat heute aufgrund einer Signalstörung ca. 10 Minuten Verspätung.“ Mick lächelte. Das kam ihm natürlich sehr entgegen und jetzt wusste er auch, welcher Zug es sein musste. ICE 237, Gleis 4. Mick sprintete die Treppen hinauf. Und es waren nicht wenig Treppen.

'Na toll. Typisch Bahn. Jetzt auch noch Verspätung.', dachte sich Tanja und ließ das Gleis auf und ab.
Mick hatte es geschafft, er war endlich an Gleis 4 angekommen und suchte in der Menge der wartenden Menschen nach Tanja. Plötzlich entdeckte er sie. Sie sah ihn nicht und so wühlte Mick sich durch die Menschenmenge.
„Auf Gleis 4 erhält jetzt verspätet Einfahrt ICE 237 nach Hamburg-Altona.“, ertönte es aus der Durchsage und Mick sah bereits dass der Zug im Anrollen war.
„Tanja...“, schrie er und rannte auf sie zu.
Tanja sah Mick und schluckte. Was tat er hier? Das konnte sie jetzt wirklich nicht gebrauchen.
„Tanja.“, sagte Mick völlig außer Atem als er bei ihr ankam.
Doch Tanja drehte sich weg und stieg in den Zug. Mick konnte nicht glauben, dass sie das tatsächlich tat und sah ihr fassungslos nach, als der Zug langsam los fuhr...

Tanja hatte gehandelt ohne großartig nachzudenken. Sie wollte einfach weg und nun saß sie in ihrem Sitz und sah aus dem Fenster. Langsam rollten ihr Tränen über die Wangen. Sie hoffte, dass es ihr helfen würde, wenn sie einige Zeit Abstand hatte und Mick vielleicht langsam aber sicher vergessen konnte. Auch wenn das sehr, sehr schwer werden würde...

Mick wusste nicht wie lange er am Gleis stand und dem Zug nachschaute. Es fiel ihm schwer zu verstehen, warum Tanja eingestiegen war und es fiel ihm noch schwerer sie einfach so fahren zu lassen...

Es vergingen einige Wochen und Tanja hatte sich vorübergehend bei einer guten Freundin untergebracht. Das war natürlich keine Dauerlösung, doch sie wollte sich erst sicher sein nicht wieder nach Essen zurückzugehen, bevor sie sich in Hamburg eine eigene Wohnung suchte. Die Gedanken an Mick ließen sie einfach nicht los und so sehr sie es auch versuchte, sie konnte ihn einfach nicht vergessen. Es fiel ihr schwer, den Mann, den sie eigentlich liebte aus ihrem Herzen zu verbannen.
Sie versuchte sich mit Arbeit abzulenken. Ein befreundeter Professor hatte Tanja eine Dozenten Stelle an der Universität Hamburg angeboten und so unterrichtete sie nun seit wenigen Wochen dort. Tanja hatte das Gefühl mit jedem Tag mehr ein Stück in Hamburg angekommen zu sein...

An diesem Morgen allerdings lag sie nachdenklich in ihrem Bett. Ihr war seit einigen Tagen ständig übel und sie befürchtete krank zu werden. Dennoch quälte sie sich zur Uni und hatte beschlossen sich am Nachmittag eine eigene Wohnung zu suchen.
Auf dem Weg zum Campus wollte Tanja gerade die Straße überqueren als ein Auto heranfuhr, welches sie aber nicht sah, da sie in ihre Psychologie Zeitschrift vertieft war. Der Wagen versuchte noch zu bremsen, doch innerhalb weniger Sekunden landete Tanja erst auf der Motorhaube und dann auf der Straße. Sie war bewusstlos und der Fahrer des Wagens stieg sofort aus, um einen Notarzt zu rufen.
Tanja kam auch auf dem Weg zum Krankenhaus nicht zu sich. Erst als sie im Untersuchungsraum lag, erlangte sie langsam wieder da Bewusstsein.
„Hallo? Hören Sie mich?“, fragte ein Arzt, der sich über Tanja gebeugt hatte. Tanja nickte nur. In ihrem Kopf drehte sich alles.
„Können Sie mir Ihren Namen sagen?“ Der Arzt sah Tanja an. Sie zögerte einen Moment, weil sie ihre Gedanken erst sortieren musste.
„Haffner. Tanja Haffner.“, antwortete sie schließlich leise.
„Frau Haffner, Sie sind im Krankenhaus. Sie wurden von einem Auto angefahren und haben vermutlich eine schwere Gehirnerschütterung. Tut Ihnen sonst noch etwas weh?“
Tanja nickte. „Ja, mein Bauch. Ich habe schreckliche Bauchschmerzen.“
Vorsichtig schob der Arzt Tanjas Pullover nach oben und sah, dass ihr Bauch mit Prellungen übersät war. Er nickte und konnte nicht ausschließen, ob sie eventuell auch innere Verletzungen hatte.
„Frau Haffner, wir geben Ihnen jetzt erst einmal ein Mittel gegen die Schmerzen und werden Sie dann gründlich untersuchen.“
Tanja nickte erneut. Eine Schwester spritzte ihr etwas in den Arm und Tanjas Augen wurden schwer.
„Sollen wir vielleicht jemanden für Sie benachrichtigen?“, fragte die Schwester.
„Mick...“, flüsterte Tanja. „Mick Brisgau... arbeitet bei....Kripo Essen...“
„OK, ist das ihr Freund?“, fragte die Schwester noch, doch Tanja war bereits eingedämmert...

Zur selben Zeit stand Mick Brisgau in Essen im Präsidium vor dem Kaffeeautomaten, der mal wieder einen schlechten Tag erwischt hatte und keinen Kaffee ausgab.
Andreas sah Micks genervten Blick. „Hat die Maschine heute mal wieder einen schlechten Tag?“, fragte Andreas und sah Mick an.
„Ja, da haben die Maschine und ich etwas gemeinsam.“, murmelte Mick und ging ohne Kaffee in sein Büro.
Seit Tanja weg war, ging es ihm nicht gut. Er konnte sich kaum noch auf etwas anderes konzentrieren außer der Frage wann sie wieder kommen würde und ob sie überhaupt wieder kommen würde. Er hatte mehrfach versucht sie auf dem Handy zu erreichen, doch musste sich vor allem von Uschi täglich anhören, dass er Tanja nicht bedrängen sollte. Aber wie sollte man denn einfach einen Menschen, den man so sehr liebte, aus seinen Gedanken streichen?
Mick saß bereits gegen Mittag bei Uschi an der Bar. Diese hingegen weigerte sich ihrem Lieblingsbullen schon um diese Uhrzeit Bier auszuschenken.
„Och Mensch, Uschi.“, murmelte Mick empört.
„Nein Mick. Alkohol ist keine Lösung. Bei Liebeskummer erst recht nicht.“, antwortete die Barfrau. „Gib Tanja einfach Zeit Mick. Es bringt nichts, wenn du sie bedrängst. Sie wird sich bei dir melden, wenn sie soweit ist.“
Plötzlich ertönte Micks Handy und er sah eine Hamburger Nummer auf dem Display. Er lächelte. „Mensch Uschi. Hamburg is calling. Vielleicht solltest du Hellseherin werden.“
Uschi rollte mit den Augen.
„Brisgau.“, meldete sie Mick.
„Spreche ich mit Mick Brisgau?“, fragte eine weibliche Stimme am anderen Ende der Leitung.
„Ja, was gibt’s denn?“
„Hier ist das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Es geht um Tanja Haffner.“
Mick verging das Lächeln und er wurde ernst. „Was ist mir ihr?“, fragte er und sah Uschi an.
„Nun, Frau Haffner hatte einen schweren Autounfall und wollte, dass wir Sie benachrichtigen.“
„Was, wie geht es ihr?“ Mick war völlig aufgebracht und sein Herz begann schneller zu schlagen.
„Das kann ich Ihnen leider nicht sagen, weil Sie kein direkter Angehöriger sind.“
„In Ordnung. Danke. Ich mache mich auf den Weg.“, entgegnete Mick und legte auf.
Er sah Uschi fassungslos an.
„Mick, was ist los?“, fragte Uschi.
„Tanja, sie...“, begann Mick. „Das war das Krankenhaus. Sie hatte einen schweren Autounfall.“
„Oh mein Gott. Ist sie schwer verletzt?“
„Ich weiß es nicht, Uschi. Ich werde hinfahren. Heute noch. Ich packe ein paar Sachen zusammen und fahre los.“
„Ja, Mick. Aber nicht mit dem Auto. Ich bringe dich zum Bahnhof und wir buchen dir einen Zug. Es ist nicht gut, wenn du so aufgeregt Auto fährst und am Ende womöglich auch noch einen Unfall hast.“
Mick nickte nur und ging dann nach oben in sein Zimmer, um schnell ein paar Sachen zu packen.

Tanja war inzwischen auf ein Zimmer gebracht worden. Durch den Aufprall beim Unfall hatte sie sich eine Rippe gebrochen sowie eine schwere Gehirnerschütterung. In ihrem Kopf drehte sich alles und sie konnte sich nur schwer daran erinnern, wie es zu dem Unfall gekommen war. Doch ihr blieb auch vorerst keine Zeit darüber nachzudenken, denn ihr Arzt betrat das Zimmer.
„So, Frau Haffner. Ich habe ein paar Untersuchungsergebnisse für Sie.“, sagte er und lächelte sogar.
Tanja nickte nur.
„Sie haben, wie bereits vermutet eine Gehirnerschütterung und außerdem eine gebrochene Rippe. Alles andere ist soweit unauffällig. Wir würden Sie allerdings trotzdem gerne ein paar Tage zur Beobachtung hier behalten.“
Tanja seufzte. Sie hasste Krankenhäuser.
„Da ist aber noch etwas, was die Blutuntersuchung ergeben hat, die wir routinemäßig durchgeführt haben.“
Tanja sah ihren Arzt fragend an.
„Sie sind in der 6. Woche schwanger. Herzlichen Glückwunsch.“
Tanja riss ungläubig ihre Augen auf. Schwanger? Das war doch wohl ein schlechter Scherz. „Sind Sie sicher?“
„Naja, das Blutbild lügt nicht.“, entgegnete der Arzt und Tanja wurde bleich im Gesicht. Sie ließ sich zurück in ihr Kissen fallen. „Übrigens, wir haben Herrn Brisgau benachrichtigt, so wie Sie es wollten.“
„Sie haben bitte was?“ Tanja fuhr ruckartig hoch, was sogleich erneut Kopfschmerzen auslöste.
„Wir haben ihn angerufen. Sie haben uns doch gesagt, dass wir ihn benachrichtigen sollen.“
Hatte sie? Tanja konnte sich nicht daran erinnern, weil sich noch immer alles in ihrem Kopf drehte. Sie nickte nur erneut.
„Sie sollten sich ausruhen und versuchen zu schlafen. Ich werde später nochmal nach Ihnen sehen.“ Mit diesen Worten verließ der Arzt das Zimmer und Tanja blieb alleine zurück.
Als wäre nicht sowieso schon alles kompliziert genug, war sie jetzt auch noch schwanger. Und als Vater kam eben nur einer in Frage: Mick.
Mick, der sich vermutlich sofort auf den Weg nach Hamburg machte und das konnte sie momentan gar nicht gebrauchen.
Erschöpft sank Tanja erneut in ihr Kissen und war bald darauf eingeschlafen.

Nach einer dreistündigen Zugfahrt kam Mick nervös in Hamburg an. Er nahm sich vom Bahnhof aus ein Taxi und ließ sich direkt ins Krankenhaus fahren. Seit er in Essen losgefahren war, konnte er keinen klaren Gedanken mehr fassen. Seine Gedanken waren nur bei Tanja. Egal, was zwischen ihnen gewesen war, für ihn war in diesem Moment nur wichtig zu wissen, was passiert war und wie es ihr ging.
Als das Taxi vor dem Krankenhaus hielt, zahlte Mick schnell und eilte in die Notaufnahme.
Dort lief er direkt einer Krankenschwester in die Arme.
„Ähhm, Entschuldigung. Mick Brisgau. Ich bin auf der Suche nach Tanja Haffner, man hatte mich angerufen.“, sagte er mit aufgeregter Stimme.
Die Schwester nickte. „Ja, gut, dass Sie so schnell gekommen sind. Frau Haffner ist heute morgen bei uns eingeliefert worden, nachdem sie von einem Auto angefahren wurde.“
Mick nickte ebenfalls. „Ist sie schwer verletzt?“, fragte er und hatte auch ein wenig Angst vor der Antwort.
„Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich Ihnen darüber keine Auskunft geben darf. Sie sind ja kein direkter Angehöriger, oder?“
Mick schüttelte verneinend den Kopf. „Kann ich zu ihr?“
„Ja, natürlich. Sie schläft und liegt in Zimmer 231. Sie waren übrigens der Einzige, den wir informieren sollten.“
Mick nickte erneut und machte sich dann auf den Weg zu Tanjas Zimmer.
Er öffnete leise die Tür und betrat das Zimmer. Da lag sie nun. Seine Tanja. Sein Schäfchen. Sein Ein und Alles. Sie wirkte so zerbrechlich, aber Mick war froh, dass sie schlief und sich ausruhte. Er nahm einen Stuhl und setzte sich neben ihr Bett. Eine Weile sah er sie einfach nur an. Irgendwann beugte er sich zu ihr und strich ihr liebevoll über die Wange.
„Ich bin bei dir.“, sagte er leise. „Ich bin jetzt bei dir.“
Er griff nach Tanjas Hand. Davon wurde sie jedoch langsam wach. Sie öffnete ihre Augen und sah Mick.
„Mick, was machst du hier?“, fragte sie.
„Hey, das Krankenhaus hat mich angerufen und ich habe mir Sorgen gemacht. Ich bin sofort in den nächsten Zug gestiegen und hierher gefahren. Wie geht es dir? Hast du Schmerzen? Wie ist das Ganze überhaupt passiert?“
Tanja schluckte. Sie war überfordert mit all diesen Fragen und vor allem war sie überfordert von Micks Anwesenheit. Sie antwortete ihm nicht, sondern drehte ihren Kopf weg von ihm.
„Tanja, was ist los?“, fragte Mick erneut.
„Mick, bitte geh.“, entgegnete Tanja kalt.
Mick traute seinen Ohren nicht. „Was? Wieso?“
Tanja sah ihn mit Tränen in den Augen an. „Bitte geh einfach und bitte komm auch nicht wieder.“
Mick konnte nicht glauben, was sie sagte. „Was redest du denn da? Erst lässt du mich anrufen, ich mache mir schreckliche Sorgen um dich, eile hierher und jetzt wirfst du mich raus?“
Tanja antwortete ihm nicht. Mick wollte sich jetzt nicht mit ihr streiten, sondern verließ wortlos das Zimmer.
Kaum hatte Mick das Zimmer verlassen, begann Tanja zu weinen.

Mick stand noch einen Moment auf dem Flur und dachte über Tanjas Verhalten nach. Er beschloss, dass es jetzt erstmal keinen Sinn machen würde und es besser wäre erst einmal ins Hotel zu fahren. Allerdings hinterließ er bei der Krankenschwester noch die Nummer seines Hotels.
„Geben Sie mir Bescheid, wenn etwas mit ihr ist?“, fragte er. Eine Krankenschwester nickte und dann verließ Mick das Krankenhaus, um in sein Hotel zu fahren.

Mick stand am Hamburger Hafen am Ufer der Elbe und sah den Schiffen zu. Es war mitten in der Nacht und kaum noch ein Mensch unterwegs. Ihm liefen Tränen über das Gesicht und er wusste, dass sein Leben ohne Tanja einfach keinen Sinn machen würde. Er liebte sie, aber scheinbar wollte sie ihre Gefühle für ihn nicht zulassen. Er wollte sich nicht weiter quälen. Er wollte, dass das alles ein Ende hatte. Er wollte nicht mehr ständig daran denken, dass seine Liebe zu Tanja scheinbar unerwidert blieb. Er sprang und sein Körper prallte auf der Wasseroberfläche auf und ging langsam unter. Es dauerte einen Moment bis ein lebloser Körper an die Oberfläche getrieben wurde und eine der Hafensirenen ertönte...

„Mick.“, sagte Tanja aufgewühlt und schreckte aus ihrem Traum hoch. Ihr Herz schlug bis zum Hals so aufgeregt war sie, weil ihr Traum sie verwirrt hatte. Es war furchtbar. Der Gedanke, dass es Mick ihretwegen schlecht ging. Sie wusste zwar, dass Mick irgendwie nicht der Typ für Selbstmord war, aber das war es auch nicht, was sie wirklich beunruhigte. Sie hatte endlich erkannt, dass sie sich nicht mehr länger gegen ihre Gefühle für ihn wehren konnte. Schon gar nicht jetzt, da sie schwanger war. Und sie wollte sich auch nicht länger dagegen wehren. Sie hatte es all die Zeit getan, weil ihre Angst davor verletzt zu werden einfach zu groß war. Doch jetzt war vielleicht endlich der Moment gekommen, an dem auch sie endlich damit aufhören musste, ängstlich zu sein. Sie musste zu Mick. Jetzt!

Mick lag natürlich schlaflos in seinem Hotelbett. Er dachte nach und versuchte Tanjas Verhalten irgendwie nachzuvollziehen, was ihm aber äußerst schwer fiel.

Tanja kämpfte sich unter Schmerzen aus ihrem Bett und ging zum Kleiderschrank, um sich umzuziehen. Der Arzt hatte ihr ausdrücklich verboten aufzustehen, doch sie musste einfach zu Mick. Sie musste ihm jetzt sagen, wie dumm ihr Verhalten doch war und wie froh sie war, dass er bei ihr sein wollte. Tanja verzog ihr Gesicht vor Schmerzen als sie sich in ihre Jeans zwängte. Nach wenigen Minuten war sie fertig umgezogen und schlich sich aus ihrem Zimmer, vorbei an den Nachtschwestern zum Fahrstuhl, um ins Erdgeschoss zu fahren.
Am Ausgang angekommen nahm sie ein Taxi und ließ sich zu Micks Hotel fahren. Sie hatte durch Zufall einen Flyer des Hotels in Micks Jackentasche gesehen und wusste daher, in welchem Hotel er übernachten würde. Dort angekommen, stieg sie aus und betrat noch immer mit schmerzverzerrtem Gesicht das Hotel. An der Rezeption erkundigte sie sich nach Micks Zimmernummer und fuhr dann mit dem Fahrstuhl in die 2.Etage. Zimmer 231, lustigerweise genau die gleiche Nummer wie ihr Krankenzimmer. Sie blieb vor der Tür stehen, zögerte einen Moment und klopfte dann schließlich an.
Mick stand von seinem Bett auf und öffnete die Tür. Er sah Tanja verwundert an.
„Tanja?“
„Mick, ich bin so eine Idiotin. Ich habe mich unmöglich verhalten. Es tut mir Leid, ich hätte dich nicht einfach so wegschicken sollen.“, sagte Tanja und sah Mick an.
Mick schüttelte den Kopf. Am liebsten hätte er sie in seine Arme genommen und alles wäre gut. Doch so leicht war das für Mick Brisgau nicht.
„Tut mir Leid, Tanja. Ich kann das nicht mehr. Woher weiß ich, dass du es dir im nächsten Moment nicht wieder anders überlegst.“
Tanja schluckte und hatte Tränen in den Augen. „Mick, bitte...“ Sie sah ihn verzweifelt an.
„Du solltest zurück ins Krankenhaus fahren. Gute Nacht.“ Mit diesen Worten schloss Mick die Tür und ließ Tanja im Flur stehen.
Er wollte gerade zurück ins Bett gehen als er plötzlich einen Schrei hörte. „Tanja....“
Mick eilte zurück zur Tür, öffnete sie und dann sah er Tanja bewusstlos am Boden liegen. Sie war zusammengebrochen. Er beugte sich zu ihr herunter.
„Tanja, hey...“, sagte er und strich ihr über die Wange. Doch Tanja kam nicht zu sich. Mick lief zurück ins Zimmer und ließ über die Rezeption einen Notarzt rufen. Anschließend dachte er nicht lange nach, nahm Tanja vorsichtig auf seine Arme und trug sie nach unten in die Hotellobby. Sie war noch immer nicht bei Bewusstsein und auch als der Notarzt endlich eintraf, blieb sie bewusstlos. Mick legte sie auf eine Trage und sie wurde sofort in den Krankenwagen geschoben. Mick wich nicht von ihrer Seite und machte sie schreckliche Vorwürfe. Nur seinetwegen hatte sie das Krankenhaus verlassen und er hatte sie einfach so abgewimmelt.
Innerhalb kürzester Zeit waren sie am Krankenhaus angekommen. Mick hielt Tanjas Hand als sie sie in die Notaufnahme schoben. Sofort war der Arzt zur Stelle, der Tanja auch schon zuvor behandelt hatte.
„Frau Haffner? Wie kommt sie denn hierher? Sie sollte doch eigentlich ihr Zimmer nicht verlassen.“, stellte der Arzt fest und sah Mick an.
„Sie ist plötzlich einfach so zusammengebrochen.“, sagte Mick.
„Schock Raum.“, wies der Arzt die Sanitäter an. Mick wollte hinterher. „Nein, Sie warten hier.“
„Aber...“, setzte Mick noch an, doch der Arzt war bereits auf dem Weg in den Behandlungsraum. Mick blieb nichts anderes übrig als zu warten. Doch er wartete nicht eine oder zwei Stunden. Es dauerte ganze vier Stunden, bis endlich Tanjas Arzt auf ihn zukam. Vier Stunden, in denen er sich so wahnsinnig viele Vorwürfe gemacht hatte. Mick sprang von seinem Stuhl auf und ging auf den Arzt zu.
„Was ist mir ihr? Warum hat das alles so lange gedauert?“, fragte er aufgebracht.
Der Arzt sah Mick an. „Nun ja, wir mussten sie Not operieren, weil sie sich durch den Unfall einen Riss in der Milz zugezogen hat, den wir zuvor aber nicht feststellen konnten. Oft äußert sich so etwas erst nach einigen Stunden.“
„OK, und was ist jetzt mit diesem Riss?“
„Den haben wir geschlossen. Es ist soweit alles gut verlaufen.“
„Soweit....?“ Mick sah den Arzt fragend an.
„Ja, naja...Es war ganz schön knapp für...“ Doch dann besann er sich auf seine Schweigepflicht.
„Für was...?“, bohrte Mick weiter, der Arzt lenkte ihn aber ab.
„Also, falls sie zu ihr möchten. Wir haben sie zur Beobachtung auf die Intensivstation gebracht. Sie können zu ihr, allerdings wirkt die Narkose noch und sie schläft.“
Mick nickte und ließ sich dann zur Intensivstation bringen.
Mick musste sich einen grünen Kittel überziehen, bevor er das Zimmer betreten durfte. Tanja lag an vielen Monitoren angeschlossen in ihrem Bett und schlief tief und fest. Mick nahm sich einen Stuhl und setzte sich zu ihr. Er nahm vorsichtig ihre Hand und hielt sie an sein Gesicht.
„Verdammt. Ich liebe dich.“, schluchzte er und dann rollten ihm kleine Tränen über die Wangen. „Ich liebe dich so sehr.“
Eine ganze Zeit lang saß Mick so da und strich Tanja immer wieder durchs Haar. Dann kam sie langsam zu sich und erwachte aus der Narkose. Sie öffnete ihre Augen und sah Mick. Dieses Mal war sie froh ihn zu sehen und sie war froh, dass er bei ihr war.
„Mick, was ist...?“, fragte sie leise.
„Sschht, später. Du musst dich jetzt ausruhen.“, hielt Mick sie ab und strich ihr über die Wange.
„Es tut mir so Leid...“, hauchte Tanja.
„Mir doch auch. Lass uns später weiter reden. Schlaf jetzt. Ich werde hier bleiben, wenn du das möchtest.“
Tanja nickte und schloss dann erneut ihre Augen.
Inzwischen war es fast Morgen und Mick entschloss sich auch ein wenig zu schlafen. Er legte seinen Kopf auf Tanjas Bett und schlief ein, ohne dabei jedoch ihre Hand loszulassen.

Einige Zeit später wachte Mick auf und bemerkte, dass Tanja ebenfalls schon wach war.
„Hey, du bist ja schon wach.“, sagte er und lächelte.
Tanja lächelte ebenfalls. „Mick, es tut mir so Leid, dass ich dich gestern einfach weggeschickt habe.“
Mick legte ihr einen Finger auf den Mund. „Hör auf. Ich war doch auch nicht besser als du dich gestern im Hotel entschuldigen wolltest.“ Mick hielt noch immer ihre Hand. „Bitte jage dem Tiger nie wieder so einen Schrecken ein. Der hatte ganz schön Angst um sein Lieblingsschäfchen.“
Tanja lächelte. Die beiden wurden von Tanjas Arzt unterbrochen, der nach seiner Patientin sehen wollte.
„Mick, könntest du mir vielleicht etwas zu trinken holen?“ Tanja sah Mick an.
Er nickte, stand auf und verließ das Zimmer. Tanja wollte mit ihrem Arzt alleine sprechen und war froh, dass Mick kurz verschwunden war.
„Sie haben großes Glück gehabt. Das hätte auch ganz anders enden können.“
Tanja nickte und sah ihren Arzt dann ängstlich an.
„Was ist mit dem Baby? Ist es...?“
„Nein, wie gesagt. Sie hatten großes Glück. Mit dem Baby ist soweit alles in Ordnung. Sie sollten es nur vielleicht bald mal dem werdenden Vater sagen, damit ich nicht ständig aufpassen muss, dass ich mich nicht verplapper.“
Tanja nickte erneut und lächelte erleichtert. Danach teilte ihr der Arzt noch mit, dass sie noch einige Tage zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben müsste und für Mick war es natürlich selbstverständlich, dass er Tanja nicht alleine ließ. Er kümmerte sich rührend um sie.

Nach einigen Tagen wurde Tanja entlassen, musste dem Arzt allerdings versprechen sich noch zu schonen. Mick hatte wiederum garantiert, dass er sich persönlich darum kümmern würde, dass Tanja es nicht übertrieb. Dennoch konnte er ihr den Wunsch nicht abschlagen mit ihr gemeinsam am Hafen spazieren zu gehen.

Irgendwann waren sie am Strand von Övelgönne angekommen und setzten sich auf eine Bank, um gemeinsam auf die Elbe zu schauen, in der bereits langsam die Sonne begann unterzugehen.
„Tanja, ich hatte solche Angst um dich als der Anruf vom Krankenhaus kam. Ich hatte Angst, dich zu verlieren.“
Tanja nahm seine Hand. „Ich wollte wirklich, dass sie dir Bescheid geben, weil ich mir sogar gewünscht habe, dass du herkommen würdest.“ Sie lächelte. „Mick, es war ein Fehler zu gehen. Einfach so. Ich wollte einfach Abstand haben, aber hier in Hamburg habe ich erst gemerkt, wie sehr du mir fehlst und wie sehr ich dich eigentlich liebe. Ich wollte einfach nur davor weglaufen. Vor meinen eigenen Gefühlen.“ Tanja sah Mick an. Mick zog sie an sich und legte seine Lippen auf ihren Mund. Sie küssten sich innig. „Ich liebe dich.“, sagte Tanja schließlich und Mick sah in ihren Augen kleine Tränen glitzern. Er strich ihr über die Wange.
„Ich liebe dich doch auch. Du bist doch mein Schäfchen.“
Tanja lächelte. „Mick, da ist noch etwas, worüber ich mit dir reden muss.“ Tanja löste sich aus Micks Umarmung und ging in den Sand, um am Ufer stehen zu bleiben. Mick folgte ihr.
Tanja sah ihn an. „Was würdest du sagen, wenn der Tiger demnächst noch ein weiteres Schäfchen hätte, auf das er aufpassen muss?“, begann Tanja. Mick sah sie irritiert und fragend an.
„Mick, ich...“ Sie zögerte noch, denn plötzlich hatte sie Angst vor Micks Reaktion. Mick nahm ihre Hand. Tanja sah ihn an. „Mick, ich bin schwanger.“, sagte sie schließlich und senkte sogleich ihren Blick.
Mick brauchte einen kurzen Moment, um zu begreifen, was sie soeben gesagt hatte. Er ging näher an sie heran.
„Ist das wahr?“, fragte er und legte seine Hand an ihr Kinn, damit sie ihn ansehen musste. Tanja nickte und inzwischen liefen ihr Tränen über die Wangen. „Oh, mein Gott.“, sagte Mick. „Ich bin sprachlos.“ Mick lächelte. Er zog Tanja in seine Arme. „Ich werde wirklich Vater?“
Tanja nickte. „Ja, in ungefähr sieben Monaten.“
Er strich Tanja über die Wange. „Du glaubst gar nicht, wie glücklich mich das macht.“, flüsterte er und küsste Tanja erneut.

ENDE

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Re: Eine Sache des Vertrauens

Beitrag  kussmausale am Mo Sep 05, 2011 11:03 am

WOW!!!!!
Diese Geschichte war der absolute Wahnsinn, ich bin wirklich sprachlos I love you I love you
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Re: Eine Sache des Vertrauens

Beitrag  emj am Mo Sep 05, 2011 8:55 pm

deine geschichte hat mich echt begeistert. vor allem die szenen im krankenhaus. das ständige hin und her, sehr unterhaltsam.

anscheinend wollen doch die meisten nachwuchs bei den beiden sehen, sonst würden in den fanfics nicht soviele kleine micks rumgeistern ; ) bin ja mal gespannt, ob's in der serie auch tatsächlich mal ernst wird mit bobbycareinkauf.
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Re: Eine Sache des Vertrauens

Beitrag  Keks1 am Mo Sep 05, 2011 10:21 pm

Also, erst mal Hut ab, dass du fast alles an einem Stück geschrieben hast. Das liest sich immer viel besser. Smile
Tolle Story, echt wunderbar geschrieben, mit Höhen und Tiefen.
Zu der Babysache muss ich allerdings auch sagen, dass es mich wundert, dass so viele FF-Schreiber ein Kind der Beiden sehen wollen. ^^
Na ja, in der FF-Welt ganz schön, in der Serie müsste das meiner Meinung nach aber nicht sein.
Also, super Leistung, bitte bald mehr! Smile
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Re: Eine Sache des Vertrauens

Beitrag  lemontea am Di Sep 06, 2011 2:41 am

Uff. Da kommt man seelenruhig (naja, zumindest etwas) aus der Schule und muss dann feststellen, dass du die ganze Geschichte noch gestern veröffentlicht hast. Was für ein suuuuuper Timing ich habe. ^^

Meine Drama-Queen, die mir kein (anderes) nerviges Etwas jeeee wegnehmen wird. Ne ne ne. Obwohl die Drama-Queen das nervige Etwas bald wohl nicht mehr sehen kann, wenn's immer so doof ist...

Tolle Geschichte! Die Gute-Nacht-Geschichte ist immer noch soooo süß und das mit dem Autounfall Shocked Und dann der/die/das Kleine. DRAMA! Surprised Hamburg hätte jetzt nicht sein müssen, das erinnert mich immer an... ah, du weißt schon. Hm, das dürfte andere Leute aber nicht interessieren, also ist es auch schon wieder gut Very Happy Der Norden ist halt super! ^^
Uw, mir fällt auf, dass Uschi(ka) so gut wie gar nicht vorkommt. Das geht so gar nicht! Very Happy Was sind Mick und co. ohne die weiseste Barfrau aller Bars? HM? Very Happy TROTZDEM mag ich die Geschichte und freue mich auf eine neue. Nervi waits ...oder so.

Ein TaMi-Baby will ich aber auch nur in den FF's haben. Obwohl du vielleicht schon gemerkt hast, dass ich mich selbst da langsam gegen wehre. ^^ Das ist dann halt alles irgendwie zu (tut mir leid, aber dein "Lieblingswort" passt an dieser Stelle so gut ^^) kitschig.
In den FF's ist das allerdings in Ordnung. Da kann man ja schreiben was man will und so für die Zeit ist das vielleicht auch sehr süß.
Aber in der Serie würde das auf Dauer vielleicht nerven, auch wenn's jetzt noch nicht so aussieht. Hinterher kann man das da ja nicht ändern. ^^

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Re: Eine Sache des Vertrauens

Beitrag  emj am Di Sep 06, 2011 2:45 am

Mir wärs in der Serie auch lieber, wenn das Thema Baby erst relativ spät angesprochen werden würde. Zuerst muss Tanja ja schleunigst aus dem Krankenhaus raus.
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Re: Eine Sache des Vertrauens

Beitrag  tannikim am Di Sep 06, 2011 4:01 am

ich habs genossen soviel zu lesen, könnte Stunden weiter deine Geschichten lesen. Very Happy

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Re: Eine Sache des Vertrauens

Beitrag  TaMi fan am Di Sep 06, 2011 7:29 am

Wahnsinn!!!! Diese Story ist einfach der Hammer!!! Very Happy
Du hast mir gestern echt den Abend gerettet!!!
Bitte schreib bald wieder was neues oder bei deiner anderen Story weiter!!!

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Re: Eine Sache des Vertrauens

Beitrag  mum82 am Mi Sep 07, 2011 7:26 am

Einfach genial! Ich hab die Story auf meinen Iphone gelesen und konnte garnicht glauben, das sie immer noch weiter und weiter ging! Ich scrollte und scrollte und sie hörte nicht auf.
Absolut toll geschrieben und zum Ende gebracht. Mehr davon...

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Manche Erkenntnise brauchen eben ihre Zeit
Ja, aber nicht alle!!!

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Re: Eine Sache des Vertrauens

Beitrag  proschat fan am Do Sep 08, 2011 12:17 pm

einfach klasse geschrieben...
und erst das ende mit dem zusatz Schäfchen ....
ja in ner FF gefällt mir das gut.
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Re: Eine Sache des Vertrauens

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